September 2014 
Aufmerksamkeit 

Im September fand das zweite Digital Shift statt bei Hinderling Volkart statt zum Thema Aufmerksamkeit und war ausgebucht. Drei Spezialisten, Marion Marxer, Thom Nagy und Christian Etter haben durch den Abend und das Thema Aufmerksamkeit unter im Zeitalter von Fragmentierung, Algorithmen und Paradigmenwechsel geführt.

Marion Marxer hat sich die letzten 15 Jahre in Agenturen und auf Kundenseite mit dem Thema Aufmerksamkeit beschäftigt. Sie führt heute eine Beratungsfirma, die sich “the new art of intelligent marketing & communication” auf die Fahne schreibt. Zuvor war sie Head of Marketing Communication bei Swisscom. Sie spricht über den Marketing Paradigma-Wechsel betreffend Aufmerksamkeit. Der Kommunikationsstil wandelt sich von “Interruption-Kommunikation” zur Relevanz. Aufmerksamkeit heute ist radikaler. Oft alles oder nichts. Und Aufmerksamkeit wird erzeugt.

An der Schnittstelle zwischen Journalismus und Technologie beschäftigt sich Thom Nagy seit über zehn Jahren mit der Digitalisierung der Öffentlichkeit. Bisher tat er dies bei NZZ Labs, ab Herbst wechselt er zur Basler Tageswoche. In seinem Beitrag spricht er über die rasante Ausweitung des algorithmischen Einflussbereichs auf unsere Aufmerksamkeit. Während die «Filter Bubble» bereits ein etablierter Begriff ist, stellt sich in Zukunft die Frage nach Roboterjournalisten: Wer programmiert sie? Wie transparent ist ihr Code? Wer haftet für ihre Fehler? Facebook kann durch ihre Algorithmen die User manipulieren, um sie zum Beispiel zum Abstimmen zu bewegen, oder sogar Ihre Laune zu verbessern. So sind 0.039% mehr User in 2010 abstimmen gegangen. Dieser Prozentsatz tönt zwar nach wenig, aber wenn man sich die Gesamtuserzahl vor Augen hält, ist diese Zahl nicht zu unterschätzen.

Christian Etter ist Inhaber von Etter Studio und arbeitet als Interactive Director bei unit9 in London. Er hat das vielfach ausgezeichnete Spiel “Drei” geschaffen und wird von den Schwierigkeiten sprechen, in der heutigen Medienflut Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Appstores und Marketplaces werden heute durch grosse monolithischen Blöcke (die fast eine Monopolstellung innehalten) dominiert. Dadurch wird die Mittelschicht verdrängt und eine “Developer Working Poor” entsteht, Developers, die per Monat weniger als USD 500 verdienen.

Wie genau sich Aufmerksamkeit in Zukunft wandeln wird ist nicht absehbar. Aufmerksamkeit hat aber jetzt schon durch das Zusammenspiel mit Algorithmen eine andere Qualität erhalten. Auch spielen die “Buhler um Aufmerksamkeit” mit unterschiedlich langen Spiessen. Grosse Player wie Google und Facebook haben Möglichkeiten mit ihren Algorithmen auf globaler Ebene Aufmerksamkeit zu steuern und das Feld zu dominieren. Es wird sich zeigen, ob diese Entwicklung positive oder negativ ist.

 

Links zum Thema:
Facebook Could Decide an Election Without Anyone Ever Finding Out
Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks
Machine Journalist Narrative Science generates articles for Forbes
The Drei story – or why making a good game may not be enough?